Kolumne

Heute schrieb mich eines unserer verdienten Mitglieder an und machte ein paar Anmerkungen, die ich hier auszugsweise kurz wiedergeben möchte:

Nur am Rande vorab erwähnenswert wäre dabei der vorgebrachte Namensvorschlag "Willi-Ruff-Schwelle" für die bisher namenlose, den ich als jemand, der einen guten Einblick in Willi's Engagement hat, sehr begrüsse. Daß dieser Vorschlag aus den Reihen der Mitglieder kam, macht es mir leichter mich, ohne mich Befangenheitsvorwürfen aussetzen zu müssen, dem Vorschlag anzuschliessen.

Nun aber zum eigentlichen Thema, das dann wahrscheinlich noch einen breiteren Kreis interessieren dürfte.
Ich zitiere aus dem Schreiben des Mitgliedes:


" ich bin traurig, daß immer mehr Vorschriften und Beschränkungen gemacht werden. Ich bin 80% schwerbeschädigt mit Gehbehinderung. Ich hoffe daß die Fliegenfischer, die dafür verantwortlich sind keine Probleme im Alter haben."

Solche Anmerkungen prallen an mir nicht einfach ab, deshalb möchte ich hier kurz meine Antwort darauf wiedergeben, die auch an andere gerichtet ist, die vielleicht ähnlich empfinden wie der Verfasser obiger Zeilen. Die Einordnung dieses Artikel in die Rubrik "Kolumne" soll zum Ausdruck bringen, daß es sich hierbei um meine persönliche Sicht der Dinge handelt, auch wenn sie vermutlich deckungsgleich sein dürfte mit der Meinung der meisten (wenn nicht aller) anderen Vorstandsmitglieder (und hoffentlich auch mit vielen Mitgliedermeinungen).

Nachfolgend meine Stellungnahme zu den Zeilen des Mitgliedes:

 

Selbst wenn es wirklich so sein sollte (ich bezweifle das!), daß diese Vorschriften, von denen du und andere sich entweder betroffen fühlen oder es tatsächlich sind - man muss hier unterscheiden, da z. B. von der geänderten Fangmenge nach Auswertung der Fangbücher lediglich 10% betroffen sind, sich aber anscheinend 60% betroffen fühlen - überwiegend auf dem Mist von Fliegenfischern gewachsen sind, hielte ich das auch nicht für schlimm. Das Ziel ist hier entscheidend, und das sollte uns alle verbinden.

Wie du völlig richtig anmerkst, werden auch die/wir (Fliegenfischer) mal älter - aus diesem Grund gilt es auch, Bestimmungen nach Möglichkeit  immer nicht zuletzt darauf auszurichten, den Fischbestand dahingehend zu hegen, daß es auch dann noch Fische gibt, wenn DIE/WIR mal alt sind - und die uns nachfolgenden Generationen ebenfalls.

Keiner von uns (ich meine hier jetzt die Vorstandschaft) will mit irgendwelchen Bestimmungen, die nicht zielführend sind, böses Blut schaffen indem sie entgegen dem Wunsch vieler Mitglieder zum Beschluss kommen, aber manchmal  lassen sich auch unpopuläre Entscheidungen nicht vermeiden.
Nimm von den aktuellen Änderungen z. B. die Schonzeitverlängerung der Barbe: Viele Leute, die das vielleicht als erneute Beschneidung ihrer fischereilichen Freiheiten sehen, haben allenfalls rudimentär Einblick in die tatsächliche Bestandssituation, sind geblendet von einigen Sichtungen von Barben respektabler Grösse und leiten davon fälschlicherweise einen gesunden, intakten Bestand ab.
Spricht man mit Fischereibiologen oder setzt sich intensiver mit der Situation auseinander (z. B. in den Bestandsbefischungen im Rahmen des AHP Äsche), stellt sich die Sache ganz anders dar: Die Bestände, die sich gerade im Winter oft geballt kaum scheu dem Spaziergänger zur Schau stellen sind sehr überaltert, mittlere Jahrgänge fehlen fast völlig, Jungfische kommen u. a. aufgrund anhaltenden und steigenden Frassdruckes fischfressender Vögel kaum mehr auf.
Mittelfristig, und das heisst z. B. bevor ich "alt" bin, werden diese Bestände bei Wegfall der vorhandenen Population von Altfischen schlagartig einbrechen unter eine Grenze, die sich dann noch selbst erhalten kann.
Wir müssen hier HEUTE handeln, nicht erst, wenn es zu spät ist.
Auch die ausgewiesenen Kunstköderstrecken z. B. dienen nicht der Gängelei der Mitglieder, sondern dem nachhaltigen Schutz bedrohter Arten wie Äsche, Nase, Barbe und Huchen.
Jede der geänderten Bestimmungen betrifft natürlich alle Erlaubnisscheininhaber, somit auch uns Entscheidungsträger. Ich glaube nicht, daß in diesem Gremium, das neben einiger Fachkompetenz auch ausschliesslich leidenschaftliche Angler in sich versammelt, auch nur einer ist, der so seltsam oder dumm wäre, sich mit unsinnigen, beschränkenden und überflüssigen Fischereibestimmungen selbst zu karsteien.
Abgesehen von Bestimmungen, die uns aufoktruiert werden durch Gesetze, über deren Sinnhaftigkeit sich trefflich streiten liesse, kannst du also davon ausgehen, daß alle anderen Bestimmungen sich an schlichten Notwendigkeiten orientieren und eine langfristige, erfolgreiche Fischerei auch für nachfolgende Generationen ermöglichen sollen - auch wenn es manchmal selber "wehtut". Mir auch.
Vielleicht ist die Angelfischerei ja einer der wenigen Bereiche, in denen man zu Recht unverklärt von der "guten, alten Zeit" sprechen kann, wie auch immer, die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen, wir werden die unseren Gewässern und Beständen im Laufe von Jahrhunderten zugefügten Schäden nicht mit ein paar Renaturierungsmassnahmen ungeschehen machen, die veränderte Situation mit dem starken Vogelfrass einfach ignorieren können und so weitermachen wie bisher, ohne an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen.
Wenn sich sogar das Klima ändern kann, warum nicht wir unser Verständnis von nachhaltiger Fischerei?

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