Kolumne

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Der englische Autor Paul Torday schreibt in seinem amüsanten Roman „Lachsfischen im Jemen“ über Fliegenfischer, die der Politik ins Netz gehen


Von Zeitgenossen, die ihre Erfüllung darin finden, mittels ausgeklügelter Kerbtierattrappen ahnungslose Flossenträger naszuführen, müsste man auch sonst Kurioses erwarten können. Da ist es erstaunlich, wie wenige Fliegenfischer jenseits des Forellenbaches auffällig werden. Dass die Sonderlinge mit Dosen gebüschelter Goldhahnfedern nicht nebenbei noch tauchbereite Fahrräder oder kalt bratende Frittierpfannen erfinden, hat allerdings einen einfachen Grund: Den Besessenen fehlt dazu schlicht die Muße.

 

 Tauscht aber doch einer mal die Fliegenrute gegen den Füllhalter, entsteht Außergewöhnliches. So geschehen im Falle des Literaturdozenten und Lachsfischers Paul Torday. Der Debütroman des 61-jährigen Briten hat sich nämlich ein ganz neues Genre erobert, das mit dem Begriff „Angel-Thriller“ nicht unzutreffend bezeichnet wäre.

In dem urkomischen und hochintelligenten Machwerk „Lachsfischen im Jemen“ übernimmt der Salm das erste Mal in der Literaturgeschichte eine handlungsbestimmende Rolle. Und vielleicht lassen deshalb globale Verschwörungen und prominente Todesfälle nicht lange auf sich warten.

Dabei soll der etwas trottelige aber grundsympathische Fischereiwissenschaftler Dr. Alfred Jones nur den Wunsch eines spleenigen Scheichs erfüllen. Der jemenitische Multimillionär Muhammad ibn Zaidi bani Tihama ist meisterhafter Fliegenfischer und möchte in seiner meist staubtrockenen und brüllend heißen Heimat Lachse schwimmen sehen. Und weil gegen eine Vision und viel Geld auch die stichhaltigsten Argumente nichts ausrichten können, muss Dr. Jones das Unmögliche möglich machen. Inzwischen hat auch die Downingstreet von dem Jemenlachs-Projekt Wind bekommen. Der gerisse Kommunikationsdirektor des Premierminister wittert eine willkommene Gelegenheit, das Image seines Chefs aufzupolieren: Ein Zeitungsfoto vom Premierminister, knietief in einem jemenitischen Wadi mit einem Lachs an der Fliege, das wäre doch mal was anderes als die ständigen Negativberichte aus Nahost und dem Irak!

So gerät der brave Dr. Jones ins Räderwerk der Machtpolitik, und dass im Zuge all der Intrigen und Absurditäten auch noch seine Ehe zerbricht und sein Job gekündigt wird, nimmt sich im Vergleich zur finalen Katastrophe wie ein harmloser Kollateralschaden aus.

Nach der Lektüre der furiosen Satire, die mit eingestreuten E-Mails, Polizeiprotokollen und Tagebuchaufzeichnungen die übliche Romanform sprengt, scheint eine Einsicht unabweislich: Auch der Fliegenfischer ist längst ein Globalisierungsopfer.

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Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von seinem Verfasser,  unserem Mitglied Sven Goergens zur Verfügung gestellt.

Danke Sven!

Das besprochene Buch ist erschienen beim Berlin Verlag (März 2007), ISBN-10: 3827006996,  ISBN-13: 978-3827006998 und es kostet ca. 19.- Euro.

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